Geschichte
Die Anfänge von Hohenhorst
Errichtet wurde die Siedlung Hohenhorst in größten Teilen durch die Baugesellschaft „Neues Hamburg” (heute SAGA).
Nach ersten Planungen aus den 1950er Jahren waren insgesamt 3100 Wohnungen vorgesehen, für mehr als 10000 Bewohner. Zusätzlich zu „Neues Hamburg” sollten kleinere Unternehmen, wie die Rahlstedter und die Nordland-Baugesellschaft mit zusammen 300 Wohnungen und private Unternehmer mit 40 Wohneinheiten an dem Gesamtprojekt beteiligt werden.
Die endgültigen Baupläne für das Gebiet wurden 1959 durch die Architekten Planz und Appelbaum, welche den ersten Preis im Architektur-Wettbewerb gewonnen hatten, und die beiden zweitplatzierten Büros, Dr. Matthaei und J.R. Mramor erstellt.
Grundsteinlegung für die Siedlung war am 9. Juni 1960 und direkt darauf kam der Bau ins Rollen, wobei es anfänglich noch zu Arbeitermangel kam, da durch die vielen Wohnungsbauprojekte in Hamburg nur wenige Bauarbeiter Anstellung suchten. Insgesamt wurde aber mit Höchstgeschwindigkeit ein Haus nach dem anderen hochgezogen, schon am 19. September 1961 wurde Richtfest vom Gesamtprojekt gefeiert, womit die Bauvorhaben aber noch lange nicht abgeschlossen wurden.
Nach einem Beschluss des Hamburger Senates wurde Hohenhorst unter ein Berlin-Motiv gestellt. Der Marktplatz und somit das Zentrum des Gebietes erhielt den Namen Berliner Platz und die Straßen wurden nach Berliner Stadtbezirken benannt. Dadurch sollte die Verbundenheit mit der geteilten Stadt Berlin bekundet werden.
Text: Ivo Garloff
Hohenhorst - wie es früher einmal war
Teil 1
Viele von uns wohnen nun schon fast 50 Jahre in Hohenhorst. Da ist es vielleicht interessant, auch über die Vergangenheit des in den 60-er Jahren neu aufgebauten Stadtteils etwas zu erfahren. Aber auch für die später Hinzugezogenen kann es aufschlussreich sein zu erfahren, wie ihr Stadtteil einmal entstanden ist.
Wir schreiben das Jahr 1962. Noch herrscht allgemein ein großer Nachholbedarf an bezahlbarem Wohnraum. Der Krieg hat große Wohnviertel in Hamburg zerstört. Hinzu kommt die große Sturmflut im Februar ‘62, bei der ebenfalls zahlreiche Hamburger ihre Wohnungen verloren haben. Der Senat plant ein großes Wohnungsbauprogramm, das den Menschen angemessene Wohnungen im Grünen in den Stadtrandgebieten bieten soll. Es entstehen in diesem Zeitraum die Wohnsiedlungen Steilshoop, Mümmelmansberg, Osdorfer Born, Großlohe, Rahlstedt-Ost und auch Hohenhorst. Die Absicht war, in den neu geplanten Siedlungen am Stadtrand Hamburgs alles einzuplanen, was die Menschen zu einem zufriedenen und glücklichen Leben benötigten: Kindergärten, Jugendeinrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten, Kulturangebote, Sportplätze, gute Straßen- und Verkehrsanbindungen usw. Dass zwischen Theorie und Praxis oft auch ein gewisser Widerspruch besteht, mussten die Stadtplaner dann in den Folgejahren erfahren. Trotzdem waren sehr viele Bewohner mit ihren Wohnungen im Stadtteil zufrieden und wollten gar nicht umziehen.
Am Anfang war Hohenhorst in weiten Bereichen landwirtschaftlich genutzte Fläche. In den Randgebieten gab es Siedlungsflächen mit Einzelhausbebauung, die Verkehrsverbindungen waren oft nur Feldwege. Dadurch war es aber auch möglich, großflächig zu planen ohne zu sehr auf bestehenden Gebäudebestand Rücksicht nehmen zu müssen. Und man konnte neue Bautechniken anwenden, denn die Wohnungen wurden dringend benötigt.
Die in der Folgezeit etwas in Verruf gekommene Plattenbauweise machte es möglich, einen ganz neuen Stadtteil in relativ kurzer Zeit zu errichten. Die Bauelemente wurden nach Bedarf in eigens dafür eingerichteten Werkhöfen komplett hergestellt und auf Tiefladern angeliefert. Nur dadurch war der rasche Baufortschritt zu erreichen.
Auch die Art der Bebauung war sehr abwechslungsreich. Mietshäuser wechselten mit Reihenhäusern, Hochhäuser setzten Akzente und öff. geförderter Wohnungsbau wechselte mit Bauvorhaben von Baugenossenschaften. Eine gute Mischung, die soziale Schieflagen möglichst vermeiden sollte.
Hohenhorst - wie es früher einmal war
Teil 2
m ersten Teil dieses Berichtes habe ich von der Gründung unseres Stadtteils in den 60-er Jahren geschrieben. Von dem damaligen großen Mangel an bezahlbarem Wohnraum, von der grünen Feldmark, wo der neue Stadtteil entstand und nicht zuletzt von der rationellen Plattenbauweise, die einen schnellen Baufortschritt ermöglichte. Wenige Jahre später konnten auch schon die ersten Wohnungsbesitzer ihr neues Domizil beziehen.
Aber auch die Wohnfolgeeinrichtungen waren rechtzeitig geplant worden: das Gemeindezentrum der Kirchengemeinde im Halenseering ebenso wie die neue Bücherhalle im Ladenzentrum und der Komplex des Sozialpädagischen Zentrums am Dahlemer Ring in eingeschossiger Bauweise. Der neue Stadtteil bekam Kindertagesstätten und zwei neue Schulen, denn der Bedarf dafür zeichnete sich schon bald deutlich ab. Wie im gesamten Stadtteil wechseltensich Montagebau und roter Backstein als Baumaterial ab.
Ein wesentliches Merkmal des neuen Stadtteils war, dass er ein Stadtteil
ohne Schornsteine sein sollte. Die Wärme wurde zentral in Heizungsanlagen erzeugt und über Fernwärmeleitungen in die Wohnungen transportiert. Das war ein bemerkenswerter ökologischer Fortschritt, denn dadurch wurden erhebliche Mengen an schädlichen Abgasen vermieden. Heute liefert die Müllverbrennungsanlage in Stapelfeld den wesentlichen Anteil an Heizwärme und trotz der relativ langen Leitungssysteme rechnet sich diese Konzeption sowohl für die Nutzer als auch für den Lieferanten E.ON.
Hinzu kam als Erholungsfläche ein markanter Grünzug, der von der Köpenicker Straße bis zur Grunewaldstraße reichte, und für das Auge wurden eine Anzahl ausdrucksvoller Kunstwerke, die zum größten Teil bis heute erhalten sind, als künstlerischer Schmuckaufgestellt.
Ein ursprünglich sehr reizvoll geplantes Projekt ist leider im Laufe der Jahre durch mangelnde Unterhaltung und Vandalismus nicht in der ursprünglichen Konzeption erhalten geblieben. Die sog. Bürgerterrasse unterhalb des Hochhauses und seitlich hinter dem Ladenzentrum hatte ursprünglich ein langgestrecktes Wasserbecken mit Seerosen und sollte ein Raum der Ruhe und Erholung für die Menschen im Stadtteil sein. Die Rasenfläche anstelle des Wasserbeckens und die nicht sehr gepflegte Umgebung bedürfen heute sehr dringend einer gründlichen Überplanung, die allerdings auch schon in Planung ist.
Um wohnortnahe Arbeitsplätze anbieten zu können, entstand am Spandauer Weg ein Gewerbebereich für Kleingewerbe, der auch jetzt noch existiert.
Wer mit offenen Augen durch den Stadtteil geht, kann die ursprünglichen Strukturen nach wie vor immer noch sehr gut wieder erkennen. Manches ist inzwischen natürlich verändert oder modernisiert worden, aber die städtebauliche Grundstruktur ist erhalten geblieben: der abwechslungsreiche Wechsel zwischen Hochhäusern und Mietwohnungsbau, die unterschiedlichen Baumaterialien von Ziegel und Fertigbau, der große Grünzug in der Mitte, der Wechsel zwischen Einfamilienhäusern, Reihenhäusern und sozialem Mietwohnungsbau.
Einiges entspricht seitdem nicht mehr ganz heutigen Ansprüchen. Deshalb sind die großen Wohnungsgesellschaften seit einigen Jahren dabei, die Häuser zu modernisieren und besser zu isolieren. Da die öffentliche Förderung nach ca. 40 Jahren oftmals zu Ende geht, wirkt sich beides in der kommenden Zeit auf die Höhe der Mieten aus.
Natürlich schafft das Ärger, aber jeder Betroffene sollte bedenken, dass die staatlichen Beihilfen seinerzeit gewährt wurden, weil damals gerade für junge Familien mit Kindern bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden musste. Heute sind die Kinder erwachsen, oft lebt der Partner auch nicht mehr und es gibt wieder neue Familien, die dieser Unterstützung dringend bedürfen . . .
Serie wird fortgesetzt
Text: Dieter Westphal
Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung der SAGA AG;
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